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Schreibblockaden lösen, Kreativität fördern

02.05.2018
von Dorle Weyers

"Blockaden abbauen - Gedanken zur Sprache bringen

Die Angst vor dem weißen Blatt konnte auch der leere Bildschirm nicht vertreiben. Fast jeder Mensch beherrscht diverse Taktiken, um sich vorm Schreiben zu drücken. Erst einmal die Ablage aufzuräumen, zählt sicher zu den nützlichsten Umwegen unterwegs zum eigenen Text. Tricksen Sie Ihre Abwehr aus: Verwandeln Sie Ihre liebsten Ablenkungsmanöver in vorbereitende Rituale. Nutzen Sie z. B. das beliebte Blumengießen ganz bewusst zur Einstimmung ins Schreiben.

Je wichtiger der Text, desto länger kann der Anlauf sein. Kein Wunder: Mit jedem Text schaffen Sie ein Artefakt, ein Werk. Schreiben ist eine kreative Tätigkeit; und Kreativität hat ihre Phasen, nämlich:

1. Inspiration, 2. Inkubation, 3. Illumination und 4. Verifikation.

Das heißt: Bevor Sie einen Text in die Welt setzen, benötigen Sie 1. Inspirationen aus Ihrer Umwelt oder Ihrem Innenleben. In der 2. Phase der Inkubation entwickeln Sie diese Anregungen innerlich weiter. Sie werden »ausgebrütet« , wir »gehen damit schwanger« , um dann »erleuchtet« (Illumination) in die dritte Phase zu wechseln. Diese glorreiche Stunde ist gekommen, wenn ungeordnete Gedanken Gestalt annehmen, sich verdichten, der rote Faden und das Ziel klar werden. In der vierten und letzten Phase der Verifikation geht es schließlich darum, den Text zu realisieren und zu kommunizieren. Nun muss er sich der Welt stellen: Ist er stimmig, glaubwürdig, wahrhaftig? Funktioniert er?

Sind wir uns über den Ablauf kreativer Prozesse nicht im Klaren, können die beiden ersten Phasen quälend sein. Wer sofort ein Ergebnis sehen will, muss Inspiration und Inkubation fast zwangsläufig als unproduktives »Nicht-Können« erleben. Wer jedoch den inneren Gärungsprozess als Teil der kreativen Tätigkeit wahrnimmt, kann ihn als ebenso notwendige wie fruchtbare geistige Arbeit wertschätzen.

Allerdings können Gefühle aller Art den Kopf blockieren. Knoten im Magen, umwerfende Unlust, zermürbende Müdigkeit oder explosive Verliebtheit: Wer soll da etwas Anständiges zu Papier bringen?
Mit etwas Glück und gutem Willen kann ein Blick in Ihre bisherigen Ergebnisse oder ein anderer, gut geschriebener Text Sie zum Thema zurückführen.

Wird die Laune immer schlechter, sind meist unschöne Gefühle im Spiel. Schicken Sie diese nicht einfach in den Untergrund. Von dort aus können Sorgen, Befürchtungen und andere Affekte Ihre Arbeit unkontrolliert sabotieren. Nehmen Sie sich Ihre Gefühle nicht übel, nehmen Sie sie erst einmal wahr. Oft haben die Emotionen mit dem Schreiben selbst zu tun. Sie können ein wichtiges Signal sein, z. B. für Ihre Haltung gegenüber dem Thema, den Lesenden oder der Schreibaufgabe. Oder: Was beschäftigt Sie innerlich so sehr, dass kein Raum für's Schreiben bleibt? Was bindet Ihre Energien und Gedanken unbewusst so sehr, dass Sie diese nicht mehr auf Ihren aktuellen Text richten können?

Barrieren im Kopf verhindern Kreativität. Brainstorming und andere Methoden können die Blockaden lösen und Energien freisetzen. Kern der kreativen Methoden ist immer:

  • sich nicht zu zensieren und nichts zu bewerten, sondern jeden Einfall willkommen zu heißen und anzunehmen,
  • nicht linear zu denken, sondern die Gedanken ungeordnet und assoziativ fließen zu lassen."

Kreativitätstechnik: Freewriting

"Freischreiben statt lange nachzudenken, was Sie schreiben könnten.

Freewriting heißt: sich frei schreiben. Es ist eine einfache Methode, um Schreibhemmungen zu überwinden (oder ihnen auf den Grund zu gehen). Nutzen Sie es zum Beispiel, wenn Sie sich offensichtlich vor einem anstehenden Schreibjob drücken. Dazu brauchen Sie lediglich einen PC oder Papier und Stift, ein Thema und etwas Mut, um loszulassen:

  • Schreiben Sie ca. zehn Minuten lang drauf los, was Ihnen zum anstehenden Text in den Sinn kommt.
  • Es geht nicht darum, einen guten Text zu erstellen, sondern darum, überhaupt zu schreiben, also um den Prozess und die Tätigkeit, nicht um das Ergebnis.
  • Schreiben Sie, so schnell Sie können: Sätze, Satzfragmente oder Stichpunkte. Kümmern Sie sich nicht um Formulierungen oder Grammatik – je mehr Sie zu Papier bringen, desto besser. Hier zählt nur die Quantität!
  • Schreiben Sie alles auf, was Ihnen zum Thema einfällt, ohne sich zu zensieren. – Wenn ein Gedanke einen anderen unterbricht, tun Sie es auch.
  • Wenn Ihnen etwas anderes Wichtiges einfällt, was Sie z. B. noch erledigen müssen, notieren Sie es kurz auf einer getrennten Liste und kehren Sie sofort zum Freewriting über Ihr Thema zurück.

Egal, was Sie am Ende zu Papier gebracht haben: Allein dass Sie geschrieben haben, zeigt, dass Sie schreiben können. Sind sogar ganz brauchbare Passagen und gute Ideen zum Weiterdenken dabei? Umso besser."

(Nach Anderson, R.: Writing that works. New York 1989: 29 ff.)

Kreativitätstechnik: Clustern

"Auch hierbei gilt: Alles ist willkommen, außer Zensur und Bewertung. Ziel ist, aufs Papier zu bringen, was Ihnen durch den Kopf schwirrt. Das kann entlasten, wichtige Aspekte oder Widersprüche verdeutlichen oder gute Ideen ans Licht befördern.

Schreiben Sie Ihr Startwort (das Thema) in die Mitte eines Papiers und notieren Sie alles, was Ihnen einfällt, darum herum. Dabei können Sie Assoziationsketten oder -felder bilden.

Probieren Sie einmal aus, nach dem Startwort zunächst die Augen zu schließen und Ihren Gedanken freien Lauf zu lassen, bevor Sie mit dem Clustern beginnen. Wenn Sie mögen, können Sie im Cluster auch Begriffe durch Pfeile verbinden, sie hervorheben, mit Fragezeichen, Widerspruchs-Blitzen oder anderen Symbolen versehen."

(In Anlehnung an Rico, Gabriele L.: Garantiert schreiben lernen. Sprachliche Kreativität methodisch entwickeln. Reinbek bei Hamburg 1984.)

Kreativitätstechnik: Mind-Maps

"Mit Mind-Maps können Sie erste Ideen sammeln und diese zugleich spontan vorstrukturieren. Dies ermöglicht Ihnen parallel: a) frei zu assoziieren und b) Ihre Einfälle zu konkretisieren und zu verfeinern.

Statt Ideen auf einer Liste linear untereinander zu schreiben, arbeiten Sie sich auf einem großen Papier von der Mitte aus nach außen vor. Dies lässt Raum, um einen frühen Einfall jeweils dann auszuarbeiten, wenn Ihnen spontan mehr dazu einfällt. Sie arbeiten kreativ und ordnend zugleich, je nachdem, was Ihnen gerade in den Sinn kommt. So entwickeln Sie ein komplexes Bild zu Ihrem Thema, das viele Details und Zusammenhänge verdeutlicht.

Mind-Maps sind mittlerweile weit verbreitet. Ganze Bücher und Webseiten widmen sich dieser Technik und tüfteln sie aus bis ins letzte Detail. Die grundliegenden Arbeitsschritte sind:

  • Schreiben Sie das Thema in die Mitte und kreisen Sie es ein (Beispiel: »Schreiben«)
  • Welche zugehörigen Themenfelder fallen Ihnen spontan dazu ein? Notieren Sie diese Oberbegriffe auf kurze Linien, die vom Kreis nach außen führen. (z. B. Prozess, Kommunikation, Multitasking, Aufgaben, »klare Worte« , Textsorten)
  • An jede dieser Linien können Sie (am äußeren Ende) beliebig viele Verästelungen anfügen. Versuchen Sie dabei lediglich mit möglichen Oberbegriffen zu beginnen, um auf den äußeren Ästen immer konkreter und detaillierter zu werden (siehe Abbildung).
  • Schreiben Sie immer gerade dort weiter, wozu Ihnen wieder etwas einfällt.
  • Auch das Mind-Map können Sie beliebig mit Farben, Symbolen und Zeichnungen ergänzen."

Kreativitätstechnik: Ideen finden mit 6-3-5

"Wollen Sie eine Idee z. B. für einen Veranstaltungstitel finden, eignet sich die 6-3-5-Methode besonders gut. Voraussetzung ist, dass sich sechs Leute eine gute halbe Stunde lang zusammensetzen und den Ernst des Lebens vergessen.

Am besten, Sie betrachten die Übung als Spiel. Stellen Sie sich auf eine vergnügliche Zeit ein. Erinnern Sie sich an Kindergeburtstage, Schokoladenessen und »In allen vier Ecken« . Stellen Sie Plätzchen und Trinkbares auf den Tisch. Je mehr Spaß Sie haben, desto besser die Ergebnisse. Also entspannen Sie sich, glucksen und feixen Sie, so viel Sie wollen. Lassen Sie Ihre Kreativität frei:

  • Jede Person erhält ein DIN-A4-Papier mit einer einfachen, leeren Tabelle, die in drei Spalten à sieben Zeilen gegliedert ist.
  • Nun schreibt jede Person in die erste Zeile drei kurze Lösungs-Ideen. Auch hier ist alles erlaubt, ja sogar erwünscht, so absurd oder schlicht es auf den ersten Blick erscheinen mag.
  • Versuchen Sie um Himmels willen nicht, besonders klug oder originell zu sein. Behindern Sie sich nicht durch Ehrgeiz: Geiz ist geistlos. Und alle Ehre gilt hier dem gemeinsamen Tun. Lassen Sie die Energien der Gruppe wirken. Vertrauen Sie auf Ihre kollektive Kreativität.
  • Nach genau fünf Minuten geben alle ihr Papier nach links weiter. Jede Person liest die Einträge des Nachbarn oder der Nachbarin auf dem neuen Papier und schreibt – wiederum assoziativ – weitere drei Ideen auf, nun in die drei Kästchen der zweiten Zeile.
  • Nach weiteren fünf Minuten geben wieder alle ihr Papier nach links weiter, lesen die bisherigen Einträge auf dem neuen Papier und fügen ihre neuen Ideen hinzu.
  • So geht es weiter, bis in der letzten Runde jede Person wieder das erste Blatt in Händen hält und die mittlerweile 18 Vorschläge um drei weitere Ideen ergänzt.
  • Das Ergebnis sind sechs Papiere mit je 21, also insgesamt 126 Ideen, die Sie nun auswerten und nutzen können.

Falls Sie keine sechs Leute zusammenbekommen, können Sie 6-3-5 notfalls auch in einer kleineren Runde spielen. Weniger als vier Personen sollten es jedoch nicht sein. Viel Vergnügen!"

(leicht veränderte Auszüge aus meinem 'Klare Worte für Verein & Co. Besser schreiben – mehr bewirken.' Stiftung Mitarbeit, Bonn)

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