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Was hält Menschen gesund? – Kohärenz & Salutogenese

von Dorle Weyers

Welche Faktoren sorgen in Beruf & Beziehung dafür, dass es uns gut geht? Zur Gesundheitsförderung gibt es reichlich Theorien, Thesen und Studien. Ein sehr hilfreiches Modell ist die  Salutogenese. Sie bietet einen wirksamen Ansatz, mit dem jeder Mensch schnell zu wichtigen Erkenntnissen für Arbeit und Privatleben kommen kann:

Nicht immer hat der Volksmund recht; z. B. bei dem Satz "Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker." Ob Schwierigkeiten uns schaffen, oder ob wir sie gesund bewältigen, ist abhängig von unseren individuellen Fähigkeiten und Ressourcen. Was Menschen wirklich stark macht, auch schwere Zeiten gesund zu überstehen, untersuchte der israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923-1994). Er wollte wissen, wie manche Menschen es trotz extremer Belastungen schaffen, körperlich und psychisch gesund und widerstandsfähig zu bleiben. Dabei entdeckte er, dass sie in besonderem Maße über Haltungen und Fähigkeiten verfügten, die Antonovsky 'Kohärenzgefühl' nannte. Dieser 'Sense of Coherence' (SOC) wird von drei Faktoren bestimmt:

Verstehbarkeit (comprehensibility): Die Welt und das eigene Leben werden erlebt als: geordnet, verstehbar und erklärbar. Umwelt, Situationen, Entwicklungen, andere Menschen und auch das Selbst erscheinen nicht als chaotisch, unkalkulierbar, schicksalhaft und unergründlich. Was wir erleben, können wir kognitiv verarbeiten.

Handhabbarkeit/Bewältigbarkeit (manageability): Verstehbarkeit ist die Basis für die zweite zur Kohärenz gehörende Überzeugung: Situationen sind zu bewältigen, Probleme sind lösbar; entweder mittels eigener Ressourcen, dank Helfern oder auch höherer Mächte.

Sinn/Bedeutsamkeit (meaningfulness): Bei dieser für Antonovsky wichtigsten Komponente geht es darum, wie sehr jemand sein Leben und Handeln, seine Ziele und Werte als „emotional sinnvoll“ erfährt. Erleben wir Sinn, dann lohnen sich Anstrengung und Engagement; auch wenn nicht alles so läuft, wie wir es uns wünschen.

Nicht schwarz oder weiß, sondern mehr oder weniger

Antonovskys Forschung konzentrierte sich auf die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit als Ergänzung zur 'pathogenetischen' Medizin, die fragt, wie Krankheiten entstehen und behandelbar sind. Daher prägte er für sein Modell den Begriff 'Salutogenese'. Antonovsky sieht Krankheit und Gesundheit nicht als 'Entweder-Oder': Menschen sind in der Regel mehr oder weniger gesund oder krank, nicht absolut. Dem entsprechend hat jeder Mensch auch (persönlich und situativ) mehr oder weniger Kohärenzgefühl.

Kohärenzgefühl: 'Gabe' mit Entscheidungsspielraum

Ob das Schicksal uns also weich klopft oder hart macht, ist abhängig davon, wie wir das Leben nehmen können: Von unseren Fähigkeiten, auch in schweren Zeiten das Leben als verstehbar, handhabbar und sinnvoll zu betrachten. Wie gut uns dies gelingt, wie stark wir also mit Kohärenzgefühl 'gesegnet' sind, ist auch Ergebnis unserer Biografie. Die gute Nachricht ist: Unser Kohärenzsinn ist nicht unveränderlich ein für allemal durch unsere Vergangenheit bestimmt. Wir können ihn, nicht beliebig, aber ein Leben lang beeinflussen! Zum Beispiel können wir unser Kohärenzgefühl aktiv selbst stärken, indem wir uns immer mal wieder fragen:

  • Was hilft mir alltäglich, das Leben als verstehbar, handhabbar und sinnhaft zu betrachten?
  • Was konkret kann mir in belastenden Situationen dabei helfen?
  • Wo ist es mir in früheren Stress-Situationen gelungen? Wie habe ich das damals geschafft?
  • Wie würde ein Mensch mit hohem Kohärenzgefühl wohl meine aktuelle Situation sehen? Was davon kann ich für mich übernehmen?
  • Welche Ressourcen und welche Menschen in meiner Umgebung fördern mein Kohärenzgefühl – im normalen Alltag und wenn es gerade sehr schwierig ist?

Wollen Sie gesünder arbeiten? Dann berate ich Sie gern mit Coaching & Supervision in Münster & beim OnlineCoaching. Bei Bedarf kann ich Sie mit Techniken aus dem Somatic Experiencing unterstützen, um Stress abzubauen und Ihre Selbstregulation zu stärken.

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Hier finden Sie Anregungen:

Möchten Sie mehr über Salutogenese erfahren? Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bekommen Sie interessante Publikationen dazu:

Band 06: Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese

Dem Salutogenese-Konzept ähnelt die Idee der 'Resilienz': also unserer Fähigkeit, nach starken Belastungen schnell wieder 'in Form' zu sein, und trotz Stressoren physisch und psychisch gesund zu bleiben oder schnell wieder zu werden:

Band 43: Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter 

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