Phasen einer Beziehung: Liebesphasen Lebensphasen

X Beziehungsphasen für alle Paare?

Jede Beziehung verläuft in Phasen. Diese werden von unterschiedlichen Liebes- und Lebensphasen geprägt, sind aber keineswegs bei allen Paaren identisch. Nicht einmal die erste Phase der rosa Verliebtheit trifft auf alle Menschen zu. Ganz so kalkulierbar ist das Leben nicht.

Dennoch durchläuft fast jede Beziehung auf ihrem Weg vom Ja zueinander bis zur 'reifen' Liebe verschiedene Phasen. Darunter auch solche, die von stillen oder stürmischen Auseinandersetzungen geprägt sind. Je nach Naturell und Paar-Dynamik werden diese mal emotional bis dramatisch, mal rational bis kühl gestaltet.

Die Startphase: meist verliebt, manchmal vernünftig

Verlieben wir uns richtig, so verfliegen wir die gemeinsame Zeit auf magische Weise im 7. Himmel der Gefühle, je näher desto schöner. Wir strahlen vor Glück und Energie, unsere Augen leuchten. Die Welt erscheint plötzlich viel schöner, das Leben voller Wunder, vor allem Sex und Berührung. Alles fließt, und unsere Gefühle und das Begehren überfluten den Verstand. Korrekter gesagt: Der für rationale Entscheidungen zuständige Präfontale Cortex schaltet mindestens einen Gang herunter.

Bei Verliebten finden im Gehirn ähnliche Prozesse statt wie bei Süchtigen. Dafür sorgt vor allem das 'Belohnungshormon' Dopamin. Die Sehn-Sucht nach dem Anderen kann wunderbar sein, aber auch die Konzentration erheblich beeinträchtigen. Auch mögen uns (bei entsprechenden Vorerfahrungen) immer mal wieder Ängste plagen, dem Angebeteten nicht zu genügen, verlassen oder betrogen zu werden.

Doch der Start kann auch sehr viel vernünftiger daherkommen. Vielleicht weil jemand schon zu viel erlebt hat, oder weil er einfach relativ rational 'tickt' oder sich bewusst nicht mehr so Herz über Kopf einlassen möchte. Auch auf einen ruhigen Start kann eine lange Liebe folgen.

Vom 7. Himmel zurück auf den Teppich

Ersten Phasen voller Begeisterung und Verliebtheit folgen Phasen, in denen wir Abstriche machen, auch Unterschiede und Kritisches stärker (manchmal zu stark) wahrnehmen. Haben wir den Partner zuvor sehr idealisiert, so bringen uns diverse Ent-Täuschungen nun auf den Boden der Tatsachen zurück: Nicht nur wir selbst haben ja kleine oder größere Macken. Auch der Partner ist in der Regel nur ein Mensch mit Stärken UND Schwächen. Und zunächst entzückend wirkende, schräge Gewohnheiten können auf Dauer zu Reizthemen werden.

Meist macht der bzw. die Andere uns die Desillusionierung leichter, indem er oder sie fortan nicht nur Schokoladenseiten zeigt. So entpuppt sich manch schmerzhafte Enttäuschung später als Voraussetzung für ein gemeinsames Leben.

Die sichere Basis für diesen Realitätscheck hat im positiven Fall die 1. Phase der Verliebtheit selbst gelegt: Wurden im ersten halben bis ganzen Jahr genügend verbindende Erfahrungen miteinander gemacht (und damit reichlich Oxytocin ausgeschüttet), so hält diese Bindung jetzt so manchen Ruck aus, der nun durch das Paar gehen mag.

Phasen des Aushandelns & Ausfechtens

Zudem sind nach einer "Nur wir 2 auf Wolke 7"-Phase Nähe und Distanz neu auszuloten – was leider nicht immer bei beiden Partnern synchron verläuft. In diesem Fall gilt es, Verletzungen und Enge-Gefühle sowie ggf. Ängste, verlassen oder vereinnahmt zu werden, auszuhalten und einen für beide akzeptablen Weg auszuhandeln oder vielleicht auszufechten. Nicht selten ist jetzt echte Toleranz von beiden Seiten gefragt – auch im ursprünglichen Sinne als: 'Erleiden und Erdulden'. In diesen Phasen der Beziehung zeigt sich auch, ob beide Partner gut im Nehmen und im Geben sind.

Jetzt entscheiden wir uns erneut für oder gegen diese Beziehung – diesmal ohne rosa Brille, manchmal eher mit der Lupe.

Bitter ist es, wenn der eine sich dafür, die andere dagegen entscheidet. Ein kleiner Trost: Trennt sich Ihr Partner in dieser Phase der Beziehung, dann war es vermutlich wirklich nicht der oder die Richtige, um zusammen glücklich zu werden. Denn entweder passen Sie beide tatsächlich nicht zueinander, oder derjenige, der jetzt geht, sucht oder 'kann' nur eine reine Honey-Moon-Liebschaft und keine alltagstaugliche Liebesbeziehung und Partnerschaft.

Von scharfen Klippen in sichere Häfen: Zusammen ankommen.

Krisen-Phasen sind leider relativ normal. Auch wenn sie sich fürchterlich anfühlen können: Krisen und Probleme, die Paare zusammen meistern, festigen die Beziehung – zumindest wenn wir dafür Sorgen, dass wir sie beide gut überstehen. Wenn wir einander auch im individuellen Krisenmodus gut (aus-) halten und Halt geben können, ist aus der Verliebtheit definitiv Liebe geworden.

Phasen, in denen eine*r oder beide die Beziehung in Frage stellen, können extrem belasten. Umso gelassener und sicherer dürfen sich Paare fühlen, deren Beziehung für beide selbstverständlich geworden ist... und bleibt: Weil sie auch schwierige Zeiten gemeinsam überstanden haben, viele Schattierungen voneinander kennen, annehmen und lieben.

Unter den ruhigen Phasen gibt es sowohl die grauen, mitunter langweiligen Versionen, in denen das Paar auch auseinander driften könnte. Sie können jedoch ebenso von tiefer Verbundenheit und Intimität geprägt sein, die auf spektakuläre Aktivitäten sehr gut verzichten kann. 

Doch leider erreichen auch nicht alle Beziehungen diese Phase. Wie viele Paare nie miteinander zur Ruhe kommen, wissen wir nicht. Sicher ist aber, dass Paartherapie auch im Alter helfen kann, obschon Veränderungen dann meist mehr Entschiedenheit und Ausdauer benötigen als bei jungen Paaren.

Wer jedoch von Beginn an nur in sonnigen Zeiten zusammenbleiben will, braucht ständig schönes Wetter. Und dafür ist das Leben der meisten Menschen dann doch zu unbeständig, teils sogar stürmisch: 

Paare & die Zeit: "... denn nichts bleibt, wie es war ..."

Eine wichtige Dimension in Liebe und Partnerschaft ist eben die Zeit. In der Gegenwart machen sich alte Wunden und Zukunftsträume bemerkbar, jeder Mensch verändert sich und auch ein Paar bleibt nicht wie es war. In Paartherapie und Paarberatung geht es daher häufig um den Umgang mit solchen Veränderungen:

Alles zu seiner Zeit – Phasen einer Paarbeziehung:

Langjährige Beziehungen wandeln sich. Sie altern. Manche reifen, andere rosten. Besonders spürbar wird dies, wenn das Paar von einer Lebensphase in eine andere wechselt: z. B. von der jungen Liebe – über Familien und/oder Karriere-Zeit – zunächst in die zweite Lebenshälfte – und schließlich ins gemeinsame Alt-Werden. Mit jeder Beziehungsphase entstehen neue Herausforderungen und neue Chancen, die es zu bewältigen und zu nutzen gilt. Gelingt dies zu zweit nicht mehr, so kann die Paar- bzw. Eheberatung helfen, Ihre Beziehung wieder zu stärken.

Alte Wunden – Lebensthemen:

Rührt der Partner oder die Partnerin – oft unbeabsichtigt – an alte Wunden, kann die Reaktion heftig sein. Um den eigenen Schmerz zu mindern, wird häufig der bzw. die Andere bekämpft. So entsteht eine Spirale von Verletzungen, die sich immer schneller, immer schärfer zuspitzt ... bis keine Verständigung mehr möglich ist. Je früher Sie die Spirale unterbrechen, desto weniger neue Verletzungen entstehen. Die Paartherapie kann Ihnen den Ausstieg aus negativen Spiralen und den Umgang mit alten Wunden erleichtern; je früher desto besser.

Träume und Visionen:

Träume und Visionen richten sich in die Zukunft. Häufig werden sie gar nicht ausgesprochen oder gar verhandelt. Dennoch beeinflussen sie uns oft "aus tiefstem Herzen", wie ein unsichtbarer Kompass, der beständig in Richtung Glück zu zeigen scheint. So hoffen wir auf eine bestimmte Zukunft, die dann vielleicht ganz anders wird. Damit enttäuschte stille Hoffnungen und geplatzte Träume nicht eines Tages über der Partnerschaft einstürzen, ist es gut, sich über die individuellen Visionen zu verständigen, z. B. in der Paartherapie in Münster oder bei einer Paarberatung online.

Beziehungsphasen: In guten wie in schlechten Zeiten?

Manche Beziehungsphasen fordern uns besonders heraus. Welche das sind, ist von Paar zu Paar verschieden. Oft bereiten uns gerade die Übergänge von einer Phase zur nächsten die größten Probleme, z. B.:

  • wenn sich nach einer Phase intensiver Gefühle erstmals Routinen und Gewöhnung einstellen,
  • wenn Sie vom Paar zur Familie werden,
  • wenn Sie zusammenziehen, ein Haus bauen, heiraten, ... zusammen etwas wagen,
  • wenn Ortswechsel, Verluste oder Karriereschritte neue Orientierungen und Vereinbarungen erfordern,
  • in und nach Krisenphasen, wenn gesundheitliche, ökonomische oder emotionale Probleme zu bewältigen sind oder waren,
  • wenn Sie sich in letzter Zeit unterschiedlich entwickelt haben,
  • wenn die Kinder aus dem Haus gehen, das Paar wieder mehr auf sich gestellt wird,
  • wenn die Erwerbsphasen enden (siehe Loriot ;),
  • wenn wir alt werden.

Manche Beziehung kriselt gerade in der Phase der Familiengründung: Wenn aus Paaren Eltern werden, die Kinder klein sind und die Nächte kurz. Für andere Paare ist vor allem der Übergang von der Familienphase in die Zeit danach oder später dann ins Rentenalter schwierig: raus aus dem Berufs- oder Familientrubel zurück in die unvertraut gewordene Zweisamkeit.

Veränderungen verstehen – Verstandenes verändern!

Oft werden die unterschiedlichen Beziehungsphasen von unausgesprochenen 'Beziehungskontrakten' getragen. Das sind stillschweigende, häufig unbewusste Vereinbarungen, wie Sie miteinander und mit den typischen Themen dieser Lebensphase umgehen.

Beginnt nun eine neue Phase der Beziehung, so passt der alte unausgesprochene Paar-Kontrakt häufig nicht mehr. Die Konditionen des Zusammenlebens sind daher neu auszuhandeln. Die Karten werden neu gemischt. Oft löst dies gerade zu Beginn der neuen Beziehungsphase mehr oder weniger unbewusste Machtkämpfe aus, denn jetzt werden (scheinbar) die Weichen für die Zukunft gestellt. Zudem lösen Veränderungen vielfach Unsicherheit aus, und nicht selten sind sie mit schmerzhaften Verlusten verbunden.

Um Unsicherheit und Machtkämpfe zu verhindern, kann es sehr hilfreich sein, die aktuellen Veränderungen zu verstehen, um die Lebensbedingungen der neuen Lebensphase offen und fair miteinander auszuhandeln. Lösungen für unterschwellige Sorgen, die die neue Phase der Beziehung auslöst, finden wir oft erst dann, wenn die Ängste auf den Tisch kommen, statt sie unter den Teppich zu kehren. Ein bewusster Abschied von dem, was wir mit der alten Phase der Beziehung aufgeben (müssen), kann die negativen Folgen des Verlustes mildern.

Tools für Ihren Erste-Hilfe-Kasten:

Beziehungsphasen: Wo stehen wir? –> Was brauchen wir?

10 Fragen, die den Wechsel von Beziehungsphasen erleichtern:

  • In welcher Beziehungsphase befinden Sie sich zzt. als Paar?
  • Steht nun ein Übergang in eine neue Beziehungsphase an, oder haben Sie diesen gerade hinter sich?
  • Haben frühere Übergänge von einer Beziehungsphase in die nächste noch Spuren hinterlassen?
  • Gibt es davon alte Wunden, die noch heilen müssen, Wiedergutmachung oder Versöhnung brauchen?
  • Welche ungeschriebenen Gesetze Ihres früheren Beziehungskontrakts passen nun nicht mehr?
  • Wer von Ihnen verliert dadurch was? Was gewinnen Sie beide?
  • Was ist Ihnen in der neuen Beziehungsphase besonders wichtig? Was ist jetzt zu verhandeln?
  • Welche Bedürfnisse der bzw. des Anderen sind davon tangiert?
  • Wie können Sie konstruktiv aushandeln, worauf Sie sich beide zukünftig verlassen können?
  • Finden Sie faire Lösungen für beide ohne in Machtkämpfe zu geraten?

Wenn Sie Unterstützung suchen für eine neue Phase Ihrer Beziehung, freue ich mich auf Ihren Anruf!