Leseprobe aus 'Klare Worte für Verein & Co.' von D. Weyers (2005)

Wer schreibt, führt Gäste durch seine Gedanken

Führen Sie die Leserinnen und Leser durch Ihren Text, als wären sie Ihre Gäste. Bei ‚geschäftlichen’ Texten ist es wie bei Betriebs-Feiern: Die Gästeliste ist von Arbeitsbeziehungen, Sachzwängen und Zufällen geprägt. Und dennoch wollen alle Gäste gut versorgt sein, meist auch unterhalten werden. Manchmal holen wir sie vom Bahnhof ab, immer begrüßen wir sie gebührend und oft räumen wir vorher die Büroräume auf; zum Beispiel wenn zu viel Internes oder gar Persönliches herum liegt. Je nachdem, wer kommt, entscheiden wir, welche Räume der Besuch überhaupt sehen soll. Und auch wenn nicht jede Kommunikation rosig verläuft, verabschieden wir uns am Ende freundlich, und setzen die Leute nicht grußlos vor die Tür.

Fürs Schreiben heißt dies:

  • Sind Sie sich über Ihre Gästeliste im Klaren? Wo holen Sie die Leute ab? Nur selten alle an der gleichen Stelle. Welche Ereignisse beeinflussen Ihre aktuelle Begegnung und die Kommunikation mit ihnen?

  • Welche persönlichen Erkenntnisse oder internen Details, räumen Sie lieber noch schnell weg, bevor die Gäste kommen? Vielleicht ist Ihnen manche Aussage sehr wichtig, so dass Sie sie gar nicht streichen mögen – obschon sie hier ganz unpassend erscheint: Vielleicht wäre das leichter, wenn Sie eine Alternative hätten und wüssten, in welchem Text diese Sätze besser aufgehoben wären.

  • Laden Sie Ihre Gäste mit einer anziehenden Einleitung in Ihre Gedankenwelt ein.

  • Was wäre Ihr Ziel für einen gelungenen Text? Was sollen die Gästen anschließend über den Besuch in Ihren Gedanken erzählen? Wie können Sie argumentieren, um Ihren Zielen näher zu kommen? Wohl proportioniert und gut sortiert erreichen Ihre Ausführungen die Menschen am besten.

  • Gestalten Sie ihnen den Aufenthalt so angenehm, übersichtlich und anregend wie möglich. Versorgen Sie sie mit interessanten Erkenntnissen und genießbaren Worten. Haben Sie für alle die richtige geistige Nahrung und ansprechende Unterhaltung gewählt? Oder ist Ihr Text-Programm gut, aber leider für diese Zielgruppe nicht wirklich geeignet?

  • Verabschieden Sie sich auf freundliche Weise. Was am Ende steht, bleibt hängen und bestimmt schon den Anfang vom nächsten Kapitel. Setzen Sie die Gäste am Ende des Textes nicht einfach abrupt auf die Straße. Investieren Sie in einen guten Abschied, damit möglichst alle gerne wiederkommen.

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