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Gesunde Liebe? – Salutogenese für Paare

21.05.2016 von Dorle Weyers

Ist Ihre Partnerschaft eigentlich gesund für Sie? Woran soll man das überhaupt messen? Wie können Partner und Partnerinnen dazu beitragen, dass ein Mensch seelisch stabil bleibt? Ist nicht jeder seines eigenen Glückes Schmied?

Auch hier hilft die sogenannte Salutogenese. Psychisch gesund ist ihr zufolge, wenn wir Herausforderungen 1. als verstehbar, 2. als handhabbar und 3. als sinnvoll erleben. Das gilt auch in der Liebe. Die Basis hierfür bildet das individuelle Kohärenzgefühl, das beide Partner mit in die Beziehung bringen.

Dennoch kann eine Liebesbeziehung das Kohärenzgefühl der Partner deutlich schwächen oder stärken. Wie Sie dies erkennen können, zeigen die folgenden Fragen. Vielleicht möchten Sie anhand dieser Punkte gemeinsam reflektieren, wie gesund Ihre Beziehung gegenwärtig ist? Je nachdem, was Ihnen lieber ist, können Sie die Fragen qualitativ beantworten (mit Beispielen, Erinnerungen, Gedanken, Gefühlen) und/oder jeweils quantitativ auf einer Skala von 0 bis 7, also von '0 = sehr schwer/stark/oft/...' bis '7 = sehr gut/leicht/selten/...'):

Wie schätzen Sie Ihre Beziehung ein?

Verstehbarkeit: Verstehen Sie, was in Ihrer Beziehung läuft? … wie Sie miteinander umgehen? … welche Muster sich immer wieder durchsetzen? … was passiert, wenn Sie und/oder die Partnerin in Stress geraten? … was Ihre Paardynamik 'in guten wie in schweren Zeiten' bestimmt?

  • Wie sehr und wie häufig erleben Sie sich selbst in der Beziehung als 'nicht mehr ich selbst' und verstehen nicht wieso?
  • Wie oft fragen Sie sich, was im Laufe der Partnerschaft aus Ihnen beiden geworden ist?
  • Wie oft verstehen Sie selbst nicht mehr, warum Sie sich in der Beziehung so verhalten, wie Sie es tun?
  • Wie oft erleben Sie das Verhalten Ihrer Partnerin bzw. Ihres Partners als unerklärlich, chaotisch oder willkürlich?
  • Haben Sie das Gefühl, sich bzgl. Ihrer Zukunft auf den Anderen verlassen zu können und zu wissen, wo es für Sie als Paar hingeht?
  • Fördert oder schwächt Ihre Partnerschaft eher Ihre Überzeugung, dass das Leben im Allgemeinen geordnet, verstehbar und erklärbar ist? Wie passiert das?

Handhabbarkeit: Fühlen Sie sich öfter ohnmächtig in der Beziehung? Haben Sie das Gefühl, sowieso nichts machen zu können? Oder wissen Sie meistens, was Sie tun können, auch wenn es gerade miteinander schwierig ist? Wie sehr glauben Sie daran, dass Ihre gemeinsamen Probleme lösbar sind?

  • Wie oft erleben Sie sich selbst oder den Partner in der Beziehung als ohnmächtig?
  • Wie oft erleben Sie sich selbst oder den Partner bzgl. der Beziehung ratlos oder gar resigniert?
  • Wissen Sie beide, wie Sie den Anderen 'nehmen' können? Wie Sie am besten mit seinen oder ihren Macken und Eigenarten umgehen?
  • Können Sie beide konstruktiv streiten und sich versöhnen?
  • Merken Sie, wenn eine Situation zwischen Ihnen destruktiv wird, und können Sie dann deeskalieren?
  • Haben Sie das Gefühl, sich im Alltag auf den anderen verlassen zu können?
  • Sind Sie zufrieden mit der Art und Weise, wie Sie Ihre Partnerschaft leben?

Sinnhaftigkeit: Wie sehr erleben Sie Ihre Beziehung als „emotional sinnvoll“? Wissen Sie (noch), warum Sie gerade mit diesem Mann bzw. mit dieser Frau zusammen leben wollen – auch wenn es gerade schwierig ist? Oder haben Sie öfter das Gefühl, Ihr Leben mit dem oder der Falschen zu verbringen?

  • Erleben Sie Ihr Leben mit diesem Partner/dieser Partnerin als 'emotional sinnvoll'?
  • Was ist für Sie der Sinn gerade dieser Beziehung? Wozu sind Sie zusammen? Was macht diese Verbindung für Sie beide lebenswert?
  • Welche der Anforderungen, vor die Ihre Liebe Sie stellt, sind es wert, dass Sie Ihre Kraft gerade hier investieren?
  • Erleben Sie diese Anforderungen eher als 'willkommene Herausforderung' oder als 'Last, die Sie gerne los wären'?
  • Sind Sie und zufrieden, mit dem Maß an und den Formen von Nähe, die Sie miteinander teilen?
  • Sind Sie zufrieden damit, wie Sie als Paar mit anderen Menschen verbunden sind?
  • Fühlt sich das Leben, das Sie als Paar führen, für Sie gut und richtig an?

Wie schätzen Sie Ihrer beider Kohärenzgefühl ein?

Können Sie beide (!) viele der Fragen positiv beantworten, leben Sie wahrscheinlich in einer sehr gesunden Beziehung. Vermutlich haben Sie beide oder zumindest einer von Ihnen ein hohes Kohärenzgefühl. Paare mit hohem Kohärenzsinn können Krisen besser überstehen. Dazu genügt in der Regel sogar, wenn nur einer von beiden Partnern ein hohes Kohärenzgefühl hat (Antonovsky/Sourani 1988).

Stimmen diese Fragen Sie eher traurig oder ärgerlich, oder beantworten Sie viele Fragen eher negativ? Dann wird es Zeit etwas zu unternehmen. In jedem Fall sollten Sie nach Wegen suchen, um den eigenen Kohärenzsinn in der Beziehung zu stärken. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Sie aktiv das Kohärenzgefühl Ihres Partners bzw. Ihrer Partnerin fördern können. Anregungen dazu finden Sie demnächst in diesem Blog. Wenn Ihre persönliche Situation schwerer ist, kann eine Psychotherapie Ihr Kohärenzgefühl deutlich stärken, da Sie dort klären, wie Ihr Leben 'funktioniert', wie Sie Schwieriges besser handhaben können und worin Sie Sinn finden. Mehr Kohärenzsinn in Beziehungen zu schaffen, ist vor allem das Anliegen einer guten Paartherapie. Hier finden Sie professionelle Unterstützung, um:

  • erstens sich selbst, zweitens den Anderen und drittens die Paardynamik besser zu verstehen,
  • die spezifischen Herausforderungen gerade dieser Beziehung zu bewältigen und
  • zu klären, ob das, was es in die Beziehung zu investieren gilt, für beide individuell Sinn macht; bzw. was beide benötigen, damit dies wieder Sinn macht.

 

Eine kurze Einführung zu Salutogenese und Kohärenzgefühl finden Sie hier.

Weitere Impulse für Ihre Partnerschaft finden Sie demnächst hier, jetzt schon im Artikel 'Eltern sein, Paar bleiben'  ... oder direkt in meiner Praxis für Paartherapie in Münster & Bonn.