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Eltern sein – Paar bleiben: Wie Sie mit Kindern leichter ein Liebespaar bleiben.

07.06.2016 von Dorle Weyers

'Liebe machen' macht manchmal Kinder. Und gerade diese fordern die Liebe oft heftig heraus: Kommen dann noch ein bis zwei fordernde Jobs hinzu, werden 24 Stunden schnell zu kurz für einen Tag. 

Viele Paare tappen dann in fünf klassische Fallen, die die Liebe schwinden lassen. Wenn Sie aber früh genug die unten genannten Gegenmaßnahmen nutzen, können Sie das Schlimmste vermeiden und damit viel für Ihre Liebesbeziehung tun.  

Gemeinsame Kinder verbinden – und das weit länger als manche Liebe hält. Geschiedene Eltern wissen das. Aber damit auch eine gut funktionierende Elternschaft die Paar-Verbindung leben lässt, ist frühzeitige (Schadens-)Verhütung angesagt. Denn das System 'Familie' macht dem Paar-System zuweilen schmerzhaft Konkurrenz. Eine ange­knack­ste Liebe ist durchs Kinderkriegen ohnehin nicht zu kitten. Langlebige Liebe ist eben kein Kinderspiel.

Falle 1: Keine Zeit zu zweit

Soll die Liebe sich neben der Familie jahrelang behaupten, braucht sie Zeit und Raum. Sich als Eltern zu erleben kann soo schön sein! – Ein Ersatz für exklusive Paar-Zeiten ist es trotzdem nicht. Wenn Sie als Paar nur noch koordinieren, Kinder hüten und k.o. nebeneinander im Bett liegen, ist Alarmstufe 1 schon erreicht. Denn: Auch Liebe will genährt sein. Und das geht, wenn Sie sich weiter positiv als (Liebes-)Paar erleben – nicht nur beim Sex, sondern auch bei anderen schönen Erfahrungen. So kann z. B. ein früher Babysitter späterer Scheidung vorbeugen

Falle 2: Funktionieren statt (Sich-nah-) Sein

Expansiv und oft unbemerkt besetzt das Familienleben oftmals nicht nur den privaten, sondern auch den inneren Raum. Elternschaft hat i.d.R. massiven Einfluss auf die eigene Identität.

So faszinierend das neue (Kinder-)Leben und so herausfordernd das Leben mit Kindern ist, so schnell kann es dem Bezogen-Sein auf den Partner den Rang ablaufen. Und wer sich nicht mehr aufeinander bezieht, verliert schon die Beziehung zueinander.

'Funktionieren oder Sein?' ließe sich frei nach Erich Fromm fragen. Wer immerzu funktionieren muss, lebt in einem Modus, der tiefem Erleben nicht gerade zuträglich ist. Intimität, also tief berührende Nähe, geht dann leicht flöten.

Falle 3: Exklusion & Eifersucht

Die Konzentration auf's Kind kann Eifersucht wecken: Wer ist die Nr. 1 in deinem Leben? Erst schaffen Schwangerschaft und Stillzeit ein biologisch bedingtes Ungleichgewicht. Dann setzen viele Paare die asymmetrische Rollenteilung freiwillig fort. Wer mehr zu Hause bleibt, riskiert berufliches Weiterkommen, und: Viel arbeitende Väter oder Mütter fühlen sich nicht selten als Zaungast der Familie. ('Ich kann doch nur noch das Geld 'ranschaffen!') Hat das Familien-System das Paar-System komplett abgelöst, ist es besonders bitter, sich hier ausgeschlossen zu fühlen. Wer dann nach neuen Verbündeten sucht, landet oft in fremden Betten. Die Eifersucht landet dann schließlich beim anderen Partner. Nutzen Sie sie lieber frühzeitig als wertvolles Signal für den dringend nötigen Wandel.

Falle 4: Aus Stress wird Streit und Stunk

Zu viel Stress macht unglücklich und erhöht den Adrenalin-Spiegel. Wer über längere Zeit viel Stress hat, wird daher schneller aggressiv. Für schreiende Babies brauchen Eltern schon mal starke Nerven; für schreiende Partner gilt das nicht minder – ebenso wie für aggressiv schweigende. Wenn beim Streit die Lautstärke oder der Kältegrad stets mehr ansteigt und das Niveau parallel dazu absinkt, geht die Liebe in Distanz, Dauer-Stunk und/oder Depression verloren.

Erwischen Sie sich schon mal dabei, entwertend über 'diesen Idioten' oder ' die blöde Kuh' zu denken? Zischeln Sie bereits gehässige Bemerkungen vor sich hin oder hauen Sie sich die Beleidigungen gleich ganz offen um die Ohren? Oder eskalieren Sie lieber eiskalt schweigend, weil Sie mit 'so jemandem schon gar nicht reden'? Dann wird es Zeit: Gönnen Sie sich eine Paartherapie! Mit der wechselseitigen Entwertung haben Sie Alarmstufe 'Rot' erreicht.

Falle 5: Neid & Kampf um karge Ressourcen

Wer tut was für Kinder und Familienwohl? Wieso geht er schon wieder zum Sport ..., warum kann sie so viel spazieren gehen …. – und ich nicht?! Viel Arbeit und wenig Schlaf können neidisch machen auf das, was der/die Andere sich gerade nimmt. Paare, die einander die Butter auf dem Brot kaum noch gönnen, kämpfen nicht mehr um 'mehr für beide', sondern um 'genauso wenig für dich'. Ressourcen zu nutzen, sich etwas zu gönnen, zu nehmen, wird dann zur Schuld am Anderen. Klagen wird kultiviert. Der Wettbewerb 'Wer opfert mehr?' hat begonnen. Denn beide sehnen sich nach Anerkennung des eigenen Tuns. Doch die scheint unmöglich, z. B. aus Angst dem Anderen etwas zu schulden. – Nicht nur die Beziehung verhungert, auch beide Partner werden täglich weniger satt.

Fallenfrei durch die Familienphase

Kommt Ihnen die ein oder andere Falle bekannt vor, aber 'soo schlimm' ist es gar nicht? Gut! Warten Sie nicht, bis es schlimmer wird. Probleme lassen sich viel leichter lösen, solange sie noch in den Kinderschuhen stecken! 

Schlafmangel und Trotzphasen, Schulstress und Taxi-Service – all das ist doch schon anstren­gend genug. Behüten Sie Ihre Liebe also vor dem tiefen Fall durch die fünf Eltern-Fallen:

 

  1. Schaffen Sie sich Zeit zu zweit, am besten mit Hilfe mehrerer Babysitter. Wird das zu teuer, kann man sich wunderbar mit anderen Eltern abwechseln.

  2. Sorgen Sie dafür, dass Sie sich nah bleiben: körperlich und seelisch: Nehmen Sie sich Zeit füreinander, verabreden Sie exklusive Paar-Zeiten. Berühren Sie sich auf vielfältige Weise: Sex, tägliche Umarmungen, Küsse, Kuscheln, Händchenhalten und bewegende Gespräche (z.B. als 'Zwiegespräch') sind die notwendige Nahrung für Ihre Nähe. 

  3. Lassen Sie sich auch nicht von Ihrer Arbeitsteilung auseinander treiben. Leben Sie 'inklusiv', indem Sie den Anderen möglichst einbeziehen, einplanen und seine Interessen mitdenken. Auch so bleiben Sie ein Paar. 

  4. Hegen und pflegen Sie Ihren Respekt füreinander. Hüten Sie sich vor häßlichen Gedanken und Worten. Versuchen Sie einander auch bei Stress mit liebevollem Blick zu sehen. 

  5. Worum auch immer Sie streiten, was auch immer Sie vermissen, miteinander teilen oder untereinander aufteilen wollen: Machen Sie keine faulen Kompromisse. Wenn einer oft gewinnt oder beide stets geiziger werden, verliert auf Dauer die Beziehung. Suchen Sie lieber wohlwollend und großzügig nach 'mehr für beide'. 

'Liebe machen' allein reicht auf Dauer eben nicht aus. Aber wenn Sie sie mit Zeit, Nähe, Zugehörigkeit, Respekt und Wohlwollen reichlich nähren, lebt Ihre Liebe einfach länger.

 

(Dieser Artikel ist hier erstmals im Februar 2015 als pdf erschienen.)

Weitere Impulse für Ihre Partnerschaft finden Sie demnächst hier, jetzt schon in den Artikeln 'Gesunde Liebe? – Salutogenese für Paare'  und 'Was ist Sex für Sie? Was tun bei sexueller Unlust' ... oder direkt in meiner Praxis für Paartherapie in Münster & Bonn.