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Konflikten vorbeugen – Professionalität mit Gefühl?

17.07.2017 von Dorle Weyers

Können Gefühle professionell sein?

Über Gefühle zu sprechen, ist in Unternehmen oft Tabu. Doch wenn Menschen sich bei der Arbeit unwohl fühlen, lassen Kooperation und Qualität schnell nach, Konflikte werden tabuisiert und verschleppt. Wie also mit Gefühlen umgehen, wo sachliche Ansätze scheitern?

Das Verhältnis von Emotionen, Konflikten und Professionalität ist brisant. Daher möchte ich ihm mehrere Blog-Beiträgen widmen. Heute starte ich mit einem Text, den ich vor einigen Jahren für den Ratgeber ‚Kopfarbeit‘ geschrieben habe:

„Echt cool oder ziemlich authentisch?

Gefühle gelten gemeinhin als unprofessionell. Das heißt: Sie werden zur Persönlichkeit eines Menschen gerechnet, in der Berufsrolle sind sie wenig willkommen. Doch auch bei professionellen Kontakten ist die Persönlichkeit stets mit von der Partie. Und so schmuggeln sich Ärger, Wut, Neid, Trauer und Kränkung immer wieder heimlich in die ach so sachliche Arbeitswelt ein.

Verdrängen ist zwecklos: Gehen Gefühle erst einmal in den Untergrund, können sie Ihr Berufs- und Lebensglück von dort aus unerkannt sabotieren. Doch wahrgenommen und gut behandelt haben auch so genannte ‚Schatten-Gefühle’ ihre Vorzüge. Oft sind sie Signal dafür, dass etwas nicht stimmt und dringend der Veränderung bedarf – bevor der Körper ersatzweise mit psychosomatischen Konsequenzen droht.

Freuen Sie sich, wenn Sie in der Lage sind, Ihre Gefühle präzise wahrzunehmen. Diese Gnade ist nicht allen Menschen gegeben. Jubeln Sie, wenn Sie zudem begabt sind, Ihre Affekte bewusst zu kontrollieren. Diese Kunst ist die beste Voraussetzung, um auch im Konfliktfall konstruktiv zu kooperieren. Außerdem gehört dazu z. B.: in Kontakt bleiben, die eigenen Grenzen und die der anderen respektieren und selektiv authentisch sein: Erkenntnisse über Beziehungen und Gefühle sind nur mitteilbar, wenn Ihr Gegenüber solche Offenheit zu schätzen weiß.

Wenn Ihnen aber der Bauch nur noch grummelt und der Kopf schwirrt: Tief durchatmen, Auszeit nehmen (z. B. Pausen einlegen oder Termin vertagen) und womöglich eine gute Freundin oder Supervisorin zu Rate ziehen. Verstehen Sie, warum es gerade an dieser Stelle eskalierte? Dann wählen Sie beim nächsten Mal vielleicht andere Wege.

Spannender als die Fehler der anderen sind eigentlich die eigenen Macken. Menschen, die solche souverän eingestehen, können unwiderstehlich sein. Suchen Sie unbekümmert nach den feisten oder feinen Spuren Ihrer Beteiligung am Konflikt. Nicht um alle Schuld leidvoll auf sich zu laden, sondern a) damit der Ärger Ihnen weniger zu schaffen macht und b) damit Sie, sofern Sie die Beziehung erhalten wollen, Ihr Bestes dafür tun können.

So gelangen Sie von den Tiefen der Psyche zu den Gipfeln professionellen Handelns. Vielleicht können Sie sich nach eingehender und abkühlender Beratung gelassen für eine Lösung entscheiden, die Ihnen zuvor als Zumutung erschien.“ (aus D. Weyers: Kopfarbeit kalkulieren & verkaufen. Münster 2004: 56f)

 

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