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Konflikte lösen: Sind Sie ein 'Gewinnertyp'? – Oder möchten Sie sich lieber verständigen?

11.04.2017 von Dorle Weyers

Wann haben Sie sich zuletzt mächtig gestritten? Wer einen Streit gewinnen will, erlebt ihn oft als Machtfrage. Ziel der Auseinandersetzung ist dann nicht mehr, sich zu verständigen und Lösungen zu finden, sondern: Siegen und Recht-Haben! Oder zumindest: Bloß nicht verlieren! Denn so lassen sich viele unangenehme Gefühle vermeiden: von Ohnmacht, über ‚Falsch-Sein‘ bis zu Scham und Schuldgefühlen. Sowohl ausdauernde Selbstverteidiger als auch echte Gewinnertypen nutzen hierzu – oft unbewusst – ein ganzes Arsenal bewährter Strategien, z. B.:

  • Das Navi-Prinzip: Einfach immer wieder die eigene Meinung wiederholen, egal, was der Andere sagt; weder zuhören noch auf den Anderen eingehen.

  • Besserwissen: Das können manche Menschen unglaublich gut – selbst dann, wenn es um unterschiedliche Meinungen, Perspektiven oder Wahrnehmungen geht, z. B. um das, was gerade passiert ist.

  • Zur Ausnahme erklären, was der eigenen Makellosigkeit widerspricht, z. B. „Ich habe zwar letzte Woche tatsächlich nicht getan, was ich versprochen habe, aber das war ja nur ausnahmsweise so, weil …' – und schon ist die Kritik des Anderen vom Tisch – und damit zumeist auch sein Bedürfnis.

  • Retourkutschen: Ein ordentlich dahin geschmettertes „Mir geht es genauso!“ deutet zwar auf eine wichtige Gemeinsamkeit hin, hat aber selten verbindende Wirkung. Mag sein, dass beide Streitpartner ärgerlich oder verletzt sind. Und in freundlichem Ton wäre der Hinweis vielleicht sogar hilfreich. Im klassischen 'Du mich auch!“-Ton wird er eher zur Abwehr.

  • Projektion: Wenn Sie dem Anderen vorbeugend genau das vorwerfen, was der vermutlich an Ihnen kritisieren will, überholen Sie ihn zwar … aber manchmal so weit, dass Sie schließlich allein zurück bleiben.

  • Hellsehen á la „Ich weiß genau, was du beabsichtigst, fühlst oder denkst.“ ist vor allem in Liebesbeziehungen beliebt. Und manche Menschen kennen sogar Ihre Kollegen weit besser als die sich selbst.

  • Themenwechsel: Gehen Ihnen die Argumente aus, können Sie schnell zu etwas anderem springen – bevorzugt zu alten Kamellen, die der Andere irgendwann ‚verbrochen‘ hat.

  • Lächerlich machen: z. B. indem Sie die Meinung des Anderen maßlos übertreiben, sie karikieren, mit absurder Mimik untermalen etc., setzen Sie ihn scheinbar humorvoll ins Unrecht. Auch sarkastische oder anderweitig polemische Verpackungen, werden von manchen Menschen gern genutzt, wenn ihnen die Argumente ausgehen.

  • Pathologisieren: Ob "Warum sind Sie nur so misstrauisch?", "Wie kann man so pedantisch sein!"‚ "Deine Eifersucht verletzt mich.", "Du bist immer so überempfindlich." oder ein direktes "Du spinnst doch." – jeder dieser Sätze legt letztlich nahe, der Betreffende habe eine mehr oder weniger leichte psychische Störung.

  • Entwertungen können auch ganz schlicht daherkommen. „Wie? Das kannst du nicht?“, "So ein Unsinn!" oder „Sie sind ja inkompetent.“ sind keine konstruktive Kritik.

  • Das beweisführende Plädoyer ist etwas komplizierter und bei Juristen beliebt: 1. angenommen du hättest Recht, dann würde ich mich unter bestimmten Voraussetzungen bei dir entschuldigen, 2. bist du aber im Unrecht, weil du alles falsch gemacht hast, also trage ich 3. überhaupt keine Verantwortung für das, was war.

  • Gefühlte moralische Überlegenheit lässt sich sprachlich und nonverbal vermitteln. Sätze wie „Der Klügere gibt nach“ oder die entsprechende Mimik heißen: Ich halte mich für etwas Besseres und du bist ein armes Würstchen und/oder mir die Mühe nicht wert.

  • Mauern: Mit Rückzug, Schweigen und Kontaktabbrüchen beenden Sie einseitig den Dialog. Vielleicht haben Sie jetzt erst einmal Ruhe und atmen durch. Für den Anderen fühlt sich das meist eiskalt an. So kann vermeintlich vernünftiges Schweigen nicht nur extrem aggressiv wirken. Den Anderen als Gegenüber zu ignorieren, indem wir ihm das Gespräch verweigern, ist eine massive Aggression.

Mit den genannten Strategien lassen sich einzelne Streits meist wunderbar gewinnen … und Freunde verlieren. Denn ihre Botschaft ist: „1. Mit dem, was du sagst oder willst, setze ich mich erst gar nicht auseinander. Es interessiert mich nicht wirklich. 2. Du hast Unrecht, bist falsch.“ So machen sie das Gegenüber ohnmächtig, hilf- und sprachlos und (zer-)stören früher oder später die Beziehung.

 

Möchten Sie sich lieber fair streiten und verständigen? Dann unterstütze ich Sie gern mit einer Paartherapie oder mit einer beruflichen Konfliktberatung in Münster & Bonn.