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Entschuldigung! – Von selbstgemachten Gefühlen, Ärger und Verletzungen

12.05.2017 von Dorle Weyers

Was genau tut Ihnen eigentlich leid, wenn Ihnen etwas leid tut?

Schlecht gewählte Worte eignen sich bekanntlich bestens, um Konflikte zu eskalieren. Im Streitfall dürfen Sie Ihre Formulierungen daher getrost öfter mal auf die Goldwaage legen. Angenommen, Sie möchten sich z. B. bei jemandem entschuldigen, so macht es einen Unterschied, ob Sie sagen: „Entschuldige! Es tut mir leid, dass ich mich so verhalten habe.“ oder „… Es tut mir leid, dass du verärgert bist. “.

Beliebt ist heutzutage die zweite Variante „Es tut mir leid, dass du verärgert bist.“. So drücken wir (wenn es gut läuft) zwar Mitgefühl aus, übernehmen aber keine (Mit-)Verantwortung für die Situation des Anderen. Manchmal wollen wir genau das. – Um Entschuldigung bitten wir damit allerdings nicht. Denn das Problem ‚gehört‘ hier dem Anderen; es sind eben seine Gefühle, für die er selbst verantwortlich ist.

Echte Entschuldigungen machen glücklich!

Bedauern Sie jedoch, was Sie selbst gesagt oder getan haben, kommt dies beim Anderen viel klarer an, wenn Sie Ihre Verantwortung auch deutlich zur Sprache bringen. Sätze wie „Es tut mir leid, dass ich mich so und so verhalten habe.“ (… und dich damit verletzt habe; egal ob es meine Absicht war oder nicht ...) können Balsam für die Seele und damit ein Königsweg zu Verständigung und Versöhnung sein. Zudem steckt darin schon die Lösung dafür, wie Sie zukünftig besser miteinander umgehen können.

Halten Sie das für Haarspalterei? Nach meiner Erfahrung in Paartherapie und Supervision kann Präzision hier wahre Versöhnungswunder bewirken.

„Don‘t give me that I‘m-sorry-if-you-feel bullshit.“

… sagt Mia, eine Patientin in der us-amerikanischen Serie ‚In treatment‘ zu ihrem Therapeuten (2. Staffel, 1. Woche). Damit bringt sie auf den Punkt, dass sie vom Therapeuten kein Mitgefühl will, sondern das Zugeständnis „Ok, da hab ich Mist gebaut.“. – Vielleicht haben Sie ja schon mal ähnlich gedacht, z. B. wenn Sie vom gut geschulten Hotline-Personal ausgiebig bedauert wurden, ohne dass die zugehörige Firma in irgendeiner Form Verantwortung für ausgefallene Züge, defekte Telefonleitungen etc. übernommen hätte.

Beliebt sind „Es tut mir leid, dass du...“-Sätze heutzutage ja auch, weil es immer wieder heißt, dass jeder Mensch für seine Gefühle selbst verantwortlich sei. Manchmal passt das gut, weil wir ja alle stets mit unserer eigenen emotionalen Geschichte auf etwas reagieren: Was den Einen verletzt, mag die Andere tatsächlich kalt lassen. Trotzdem gibt es natürlich mehr oder weniger rücksichtsvolle oder egoistische, vorsichtige oder unachtsame, faire oder gemeine Zeitgenossen. Die simple Generalisierung des ‚Jeder macht seine Gefühle selbst.‘ hingegen passt ideal zu unserer hoch individualistischen westlichen Kultur und ist umso bequemer, je egozentrischer man sich zu verhalten pflegt.

Kluge Erkenntnisse müssen unser Sozialverhalten nicht einschränken

Auch wenn die Hirnforschung die These der ‚stets selbstgemachten Gefühle‘ gegenwärtig stark zu untermauern scheint, bleibt doch die Frage, ob ich mich dafür interessiere, wie ich auf andere wirke, bzw. was ich bei ihnen bewirke. Kurz: Ob ich soziales Verhalten und Gemeinsinn anstrebe oder primär um mich selbst kreise.

Ich persönlich finde es stets schade, wenn kluge Erkenntnisse übermäßig verallgemeinert und dann auf Situationen angewendet werden, wo Differenzierung durchaus weiter führen würde. Z. B. wenn Menschen meinen „Egal, was ich mache, deine Gefühle hängen ja ausschließlich davon ab, wie du mich interpretierst.“ Werden Beleidigungen, Vertrauensbrüche und andere Gemeinheiten auf diese Weise schöngeredet, liegt doch nahe, dass unser Gegenüber nicht wirklich an uns und unserem Wohlergehen interessiert ist. Und das ist dann womöglich die klügste Erkenntnis in dieser Situation.

 

Macht Ihr Gegenüber Sie stattdessen immer wieder sprachlos? Vielleicht nutzt er oder sie dazu ja (bewusst oder unbewusst) klassische Ablenkungsstrategien. Hier erfahren Sie mehr über Strategien, bei denen es eher ums Gewinnen und Rechtfertigen geht, als darum sich zu verständigen.

In Coaching, Supervision und Paartherapie können Sie genauer hinschauen, was Sie bei anderen und was andere bei Ihnen bewirken, was sich hinter Verletzungen und Ärger verbirgt und was Sie verändern möchten. Gern unterstütze ich Sie dabei in Bonn und Münster.

 

Einen interessanten Einblick in unterschiedliche Erklärungsansätze dazu, wie Gefühle entstehen, finden Sie hier.