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Was hält Menschen gesund? – Kohärenz & Salutogenese

15.05.2016 von Dorle Weyers

Welche Faktoren sorgen in Beruf & Beziehung dafür, dass es uns gut geht? Zur Gesundheitsförderung gibt es reichlich Theorien, Thesen und Studien. Ein sehr wichtiges Modell ist die Salutogenese. Sie bietet einen wirksamen Ansatz, mit dem jeder Mensch schnell zu wichtigen Erkenntnissen für Arbeit und Privatleben kommen kann:

Was uns seelisch stark macht, ist nicht immer das, was uns nicht umbringt. Ob Schwierigkeiten uns schaffen, oder wir sie gesund bewältigen, ist abhängig von grundlegenden individuellen Fähigkeiten und Ressourcen. Was Menschen stark macht, auch schwere Zeiten gesund zu überstehen, untersuchte der israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923-1994). Er wollte wissen, wie manche Menschen es trotz extremer Belastungen schaffen, körperlich und psychisch gesund und widerstandsfähig zu bleiben. Dabei entdeckte er, dass sie in besonderem Maße über Haltungen und Fähigkeiten verfügten, die Antonovsky 'Kohärenzgefühl' nannte. Dieser 'Sense of Coherence' (SOC) wird von drei Faktoren bestimmt:

Verstehbarkeit (comprehensibility): Die Welt und das eigene Leben werden erlebt als: geordnet, verstehbar und erklärbar. Umwelt, Situationen, Entwicklungen, andere Menschen und auch das Selbst erscheinen nicht als chaotisch, unkalkulierbar, schicksalhaft und unergründlich. Was wir erleben, können wir kognitiv verarbeiten.

Handhabbarkeit/Bewältigbarkeit (manageability): Verstehbarkeit ist die Basis für die zweite zur Kohärenz gehörende Überzeugung: Situationen sind zu bewältigen, Probleme sind lösbar; entweder mittels eigener Ressourcen, dank Helfern oder auch höherer Mächte.

Sinn/Bedeutsamkeit (meaningfulness): Bei dieser für Antonovsky wichtigsten Komponente geht es darum, wie sehr jemand sein Leben und Handeln, seine Ziele und Werte als „emotional sinnvoll“ erfährt. Wer Sinn erlebt, für den lohnen sich Anstrengung und Engagement; auch wenn nicht alles so läuft, wie er es sich wünscht.

Nicht schwarz oder weiß, sondern mehr oder weniger

Antonovskys Forschung konzentrierte sich auf die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit als Ergänzung zur 'pathogenetischen' Medizin, die fragt, wie Krankheiten entstehen und behandelbar sind. Daher prägte er für sein Modell den Begriff 'Salutogenese'. Antonovsky sieht Krankheit und Gesundheit nicht als 'Entweder-Oder': Menschen sind in der Regel mehr oder weniger gesund oder krank, nicht absolut. Dem entsprechend hat jeder Mensch auch mehr oder weniger Kohärenzgefühl.

Kohärenzgefühl: 'Gabe' mit Entscheidungsspielraum

Ob das Schicksal uns also weich klopft oder hart, ist abhängig davon, wie wir das Leben nehmen können: Von unseren Fähigkeiten, auch in schweren Zeiten das Leben als verstehbar, handhabbar und sinnvoll zu betrachten. Wie gut uns dies gelingt, wie stark wir also mit Kohärenzgefühl 'gesegnet' sind, ist Ergebnis unserer Biografie. Die gute Nachricht ist: Unser Kohärenzsinn ist nicht unveränderlich ein für allemal durch unsere Vergangenheit bestimmt. Wir können ihn, nicht beliebig, aber ein Leben lang beeinflussen! Zum Beispiel können wir unser Kohärenzgefühl aktiv selbst stärken, indem wir uns immer mal wieder fragen:

  • Was hilft mir alltäglich, das Leben als verstehbar, handhabbar und sinnhaft zu betrachten?
  • Was konkret kann mir in belastenden Situationen dabei helfen?
  • Wo ist es mir in früheren Stress-Situationen gelungen? Wie habe ich das damals geschafft?
  • Wie würde ein Mensch mit hohem Kohärenzgefühl wohl meine aktuelle Situation sehen? Was davon kann ich für mich übernehmen?
  • Welche Ressourcen und welche Menschen in meiner Umgebung fördern mein Kohärenzgefühl – im normalen Alltag und wenn es gerade sehr schwierig ist?

 

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Hier finden Sie Anregungen:

 

Wollen Sie gesünder arbeiten? Dann berate ich Sie gern mit Coaching & Supervision in Münster & Bonn.

 

Möchten Sie mehr über Salutogenese erfahren? Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Sie zwei interessante Publikationen dazu:

Band 06: Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese

Band 43: Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter