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Gesundheit! – Wie Führung & Unternehmenskultur gesunde Arbeit möglich machen (Salutogenese)

21.06.2016 von Dorle Weyers

Ist die Arbeit gesund, freu'n sich der Mensch und die Firma. Wie wichtig dazu die richtige Führung ist, belegen zahlreiche Studien. Was also können direkte Vorgesetzte und Geschäftsführungen tun, um die Menschen stabil, die Fehlzeiten gering und die Arbeitsqualität hoch zu halten? – Drei Dinge braucht der Mensch hierzu (laut Salutogenese):

1. die Fähigkeit, zu verstehen, was mit uns und um uns herum passiert,
2. die Überzeugung, dass wir die Anforderungen, die an uns gestellt werden, bewältigen können,
3. das Gefühl, dass unser Leben und Handeln sinnvoll sind.

Aber was bedeutet das im Alltag? Die folgenden Fragen zeigen, woran Sie messen können, ob Ihr eigenes Führungsverhalten diese Kriterien erfüllt. Ob Sie Ihren Leuten also ermöglichen, im Job Verständlichkeit, Handhabbarkeit und Sinn zu erleben:

 

1. Verstehen

Wer bin ich hier im Job? Was kann ich? In was für einem Unternehmen arbeite ich? Und was läuft hier auf der formellen und auf informellen Ebenen?

Wissen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter z. B. genau ...

… welche Aufgaben sie haben? Warum sie diese ggf. in einer bestimmten Form erledigen sollen? Worauf es dabei besonders ankommt (und warum)?

… welchen Handlungsspielraum sie dabei jeweils haben?

… was ihre Rolle/ihr Platz im Team und was die besondere Rolle des Teams in der Organisation bzw. Abteilung ist? Was ihre besonderen Stärken sind, wie sie diese am besten nutzen und was noch optimierbar ist?

… warum Ihre Organisation so handelt und sich so präsentiert, wie sie es tut? Warum die Geschäftsführung bestimmte Prioritäten setzt und Entscheidungen trifft? Warum Sie als Führungskraft bestimmte Entscheidungen treffen?

Wie gut und wann werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Strategien und Ziele des Unternehmens informiert?

Was passiert, wenn etwas schief gegangen ist? Mit wem können Ihre Leute konstruktiv über Irrtümer, Fehlentwicklungen etc. sprechen?

 

2. Handhabbarkeit

Wie gut können die Mitarbeitenden die Arbeit bewältigen?

Wie oft erleben Ihre Leute im Rahmen der Arbeit Ohnmacht oder Hilflosigkeit
- in Anbetracht der Arbeitsmenge, der Art der Anforderungen, oder weil sie autoritär angeordnet werden?
- oder auch im Kontakt mit Leitungskräften, Kunden, Kooperations- oder Geschäftspartnerinnen?

Auf wen können sie in belastenden beruflichen Situationen zählen? Wie präsent und hilfreich sind Sie als Führungskraft dann? Wie sicher ist die Unterstützung innerhalb des Teams und wie verhält sich die Organisation bzw. Geschäftsführung z. B. in Zeiten akuten Personalmangels? Wie gut werden neue Mitarbeiter oder Vertretungskräfte wirklich eingearbeitet?

Können Ihre Mitarbeiterinnen sich auf Ihre Zusagen verlassen? Oder neigen Sie schon mal dazu, mehr zu versprechen als Sie halten können?

Fördern Sie ein lösungsorientiertes Klima? Kultivieren Sie ein konstruktives zuversichtliches Miteinander oder eine Kultur des Klagens über das alltäglich Unmögliche? Konzentrieren sie sich auf das, was möglich ist, oder auf das, worüber man sich ärgert und worauf man selbst keinen Einfluss hat?

Stärken Sie die Ressourcenorientierung der Mitarbeitenden? Wie oft beziehen Sie sich auf die individuellen Stärken der Einzelnen und des Teams? Konzentrieren Sie sich auf das, was da ist, oder auf das, was fehlt?

Wie gut passen die Aufgaben zu individuellen Stärken und Lebenssituation der Mitarbeiter? Können Sie diese stellenweise noch besser anpassen? Falls Sie meinen, das wäre 'ungerecht' anderen gegenüber: Alle möglichst gleich zu behandeln ist nicht immer gerecht, es kann auch heißen, niemandem gerecht zu werden.

Wie viel Selbst- und wie viel Fremdbestimmung erleben die Mitarbeitenden? Wie oft müssen sie z. B. Arbeiten unterbrechen, weil 'von oben' relativ plötzlich angeordnet wird, dass sofort etwas anderes wichtiger ist oder 'alles wieder andersrum' entschieden wird? Können sie ihre Arbeitszeit so einteilen, dass sinnvolle Arbeitseinheiten entstehen, so dass z.B. größere Aufgaben mit Ruhe und am Stück erledigt werden können? Fühlen sie sich bei alledem als handelndes (und wenn möglich entscheidendes) Subjekt, eher als Objekt oder gar als Opfer?

 

3. Sinn

Was ist der Sinn dieser Arbeit und wo wird er spürbar?

Erleben die Mitarbeitenden ihre individuelle Arbeit und die Aufgaben des Unternehmens als sinnvoll? Ja? Welche Bedeutung hat beides denn für die Einzelnen?

Wo wird dieser Sinn im Alltag besonders spürbar? Was tun die unterschiedlichen Leitungsebenen, damit das Sinnvolle präsent bleibt (und nicht als Feigenblatt erlebt wird)?

Wie sehr wird dem Sinn der Organisation bei diversen betrieblichen Entscheidungen Rechnung getragen?

Wie gut sind Ihre Leute über betriebliche Entwicklungen, Strategien und Prioritäten informiert?

Wie oft werden sie an Entscheidungen beteiligt, und wie? Welchen Stellenwert haben die Erfahrungen 'an der Basis' für die Entscheidungen auf allen Führungsebenen bis zur Geschäftsführung? Wie oft mischen sich höhere Führungsebenen in die Arbeit von untergeordneten Führungskräften oder Mitarbeitenden ein, ohne dass dies wirklich erforderlich wäre?

Welche Möglichkeiten haben Ihre Leute, sich persönlich weiter zu entwickeln? Wissen sie auch davon und ist im Alltag genügend Raum dafür? (Oder heißt jeder Tag Fortbildung, die Kollegen 'im Stich' zu lassen?)
Können Sie als Führungskraft die Entscheidungen der Unternehmensleitung loyal vertreten oder halten Sie sie eigentlich für unsinnig bis unzumutbar?

 

Je mehr Fragen Sie positiv beantworten können, desto gesünder sind wahrscheinlich Ihr Führungsverhalten bzw. die Unternehmenskultur für das Personal. Denn je mehr Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinn die Menschen Tag für Tag im Job erleben, desto stärker fördert dies ihr 'Kohärenzgefühl'. So praktizieren Sie nicht nur alltägliche Gesundheitsförderung im Unternehmen, sondern fördern auch die Gesundheit Ihres Unternehmens.

 

Möchten Sie in Ruhe mit einem professionellen Gegenüber reflektieren, wo Sie als Unternehmensleitung oder Führungskraft das Kohärenzgefühl Ihrer Mitarbeitenden noch stärker fördern können? Gern berate ich Sie zu dieser und zu anderen Fragen in Coaching & Supervision in Bonn & Münster.

Eine kurze Einführung in Kohärenzgefühl und Salutogenese finden Sie hier.